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Vortrag zum Thema "Koi" von Bernhard Slominski

1. Begriffsabgrenzung und Herkunft
2. Geschichte
3. Beginn der modernen Koizucht in Japan
4. Anatomie und Zuchtvarietäten
5. Zucht, Ausstellungen, Kauf
6. Koi Haltung

1. Begriffsabgrenzung und Herkunft
Koi sind farbige Mutation von normalen Karpfen. Während im deutschen mit Koi immer die farbigen Karpfen gemeint sind, bezeichnet das japanische Wort Koi lediglich den normalen Karpfen. Die farbigen Mutationen werden im japanischen mit den Wort Nishikikoi, auf Deutsch „Brokatkarpfen“ bezeichnet.

2. Geschichte
Die Ursprünge der Koizucht gehen bis ins Jahr 1100 v. Chr. in China zurück. Zu diesem Zeitpunkt wurden in China bereits Flusskarpfen gezüchtet. China ist auch das älteste Fischzuchtland der Welt. 770 v. Chr. wurde in China auch das erste Fischzuchtbuch von einem chinesischen Hofbeamten geschrieben. Erste Überlieferung von Farbkarpfen gibt es ca. 500 v. Chr. Es ist auch überliefert, dass zur Geburt des ersten Sohnes des Philosophen Konfuzius von einem Herzog ein Karpfen geschenkt bekam. Der Philosoph nannte seinen Sohn nach dem Geschenk Kong Li (li bedeuete Karpfen in chinesisch). In Japan gibt es die ersten Berichte über Koi im Jahr 700.

3. Beginn der modernen Koizucht in Japan
Der Anfang für die moderne Koizucht ist die Präfektur Niigata, die nördlich von Tokyo liegt. Dort gab es häufig sehr harte Winter, in denen die Präfektur vom Rest des Landes abgeschnitten war. Die Reisbauern begannen deshalb im 18. Jahrhundert damit zur Erweiterung der Nahrungsreserve im Winter Karpfen in den bewässerten Reisfeldern zu halten. Kurz nach 1800 tauchten die ersten Farbmutationen auf. Damit begann die Züchtung. Die ersten Farbkarpfen sollen rote, weiß und hellgelb gewesen sein. Am Anfang war die Zucht der farbigen Karpfen auf die Region Niigata beschränkt. Erst im Jahr 1914 wurden anlässlich einer kaiserlichen Ausstellung in Tokyo die Koi über die Grenzen von Niigata bekannt. Der Bürgermeister von Yamakoshi in der Provinz Niigata brachte 27 der schönsten Kois mit zur Ausstellung. Der damalige Kronprinz Hirohito (von Beruf Biologe) zeigte sich begeistert von den farbprächtigen Fischen und nahm 7 Stück mit in den kaiserlichen Palast. Außerdem gewannen sie den 2. Preis der Ausstellung. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Kois erst in ganz Japan und dann in der ganzen Welt bekannt und beliebt.

4. Anatomie und Zuchtvarietäten
Koi sind eigentlich „normale“ Karpfen, bei denen Farbmutationen aufgetreten sind. So besitzt der Koi auch denselben wissenschaftlichen Artnamen wie der wildlebende Karpfen oder der als Nutzfisch gezüchtete Karpfen. Ein besonderes Merkmal des Koi sind zwei paar Barteln, die seitlich von der Oberlippe angeordnet sind. Sie dienen dem Ertasten und der Geschmacksprüfung von Nahrung.
Koi können bei guter Haltung durchschnittlich 70-80 Jahre alt werden. Einzelne Fische können aber auch älter werden. Die maximale Lebenserwartung liegt bei 200 Jahren. Nach einem Jahr ist der Koi 10-12 cm, nach 3 Jahren meist 40cm. Mit 15 Jahren kann ein Koi eine Größe von 80cm erreichen. Ein normaler 80cm langer Koi wiegt ca. 8kg. Bestimmte Zuchtformen können jedoch bis zu 1,3 Meter lang werden, bei einem Gewicht von über 50kg.<
Koi sind grundsätzlich Allesfresser und ernähren sich in Freiheit von Insekten, Schnecken, Muscheln, Kleinkrebsen, aber auch von Unterwasserpflanzen. Es gibt mittlerweile eine fast unüberschaubare Anzahl an Farbvarianten, in Fachkreisen geht man von ca. 170 Farbvarianten aus. Für den Laien ist die Einteilung oft verwirrend. Es gibt 15 Hauptgruppen von denen hier die 7 wichtigsten vorgestellt werden sollen.

  • Kohaku
  • Weißer Koi mit roter Zeichung. Der König unter den Koi. Die bekannteste und beliebteste Variante unter den Koi.
  • Sanke
  • Weißer Koi mit roter und schwarzer Zeichung.
  • Showa
  • Schwarzer Koi mit weißer und roter Zeichung.
  • Utsuri
  • Schwarzer Koi mit weißer, roter oder gelber Zeichnung.
  • Ogon (Hikari-Mujimono)
  • Einfarbig metallicfarbige Koi.
  • Tancho
  • Hat einen roten Fleck am Kopf.
  • Asagi
  • Blaugrauer Koi mit Netzmuster.

5. Zucht, Ausstellungen, Kauf
Die Züchtung von Koi ist sehr aufwendig. Ein Weibchen kann mehrere Millionen Eier legen, von denen allerdings nur ca. 10% heranreifen. Von 200.000 Jungfischen sind höchstens 5000 interessant gefärbt und nur 10 erreichen die Qualität ihrer Eltern.
Es gibt auch in Deutschland viele Koi Händler. Es werden teilweise billigere Kois z.B. aus Israel, Thailand angeboten. Die beste Qualität kommt aber immer noch aus Japan, dort hat die Koizucht die längste Tradition. Dabei ist die Präfektur Niigata immer noch das Zentrum der Koizucht. Die Preise von Koi variieren nach Alter, Größe, Geschlecht und Farbvariante. Die Preise beginnen bei 20€ für einen 15cm großen Koi und steigern sich dann auf 3000-5000€ für einen 65cm großen Koi, der 4 Jahre alt ist. Typischerweise gibt man aber ca. 500€ für eine 45cm großen Koi aus. Bei sehr großen Kois und Sieger von Ausstellungen können auch Preise von 10.000€ bis sogar über 100.000€ erzielt werden.
Der teuerste Koi, der jemals verkauft worden ist war ein perfekter Tancho mit einer Größe von 130cm und einem Gewicht von 60kg. Er wurde an den Chef von Suzuki für über 1,5 Mio. Euro verkauft.
Koi werden bei Ausstellungen präsentiert und es wird dort jeweils ein Sieger der Ausstellung gewählt („Grand Champion“). Die wichtigste Ausstellung ist in Japan die Shinokai. Der Grand Champion der Shinokai ist sozusagen der Weltmeister der Koi. Er durch den Sieg einen Wert von über 100.000€ und der Züchter gewinnt dadurch weltweites Prestige , die Nachfrage (und Preise) seiner Züchtungen steigen damit auch stark an.

6. Koi Haltung
Die Haltung der Koi ist sehr anspruchsvoll und ist mit viel Aufwand verbunden. Für die Koihaltung wird ein ausreichend großer Teich notwendig. Der Teich sollte mindestens 10 Kubikmeter groß sein. Eine ideale Größe sind aber 3x6 Meter mit einer Tiefe von 1,5 bis 1,8 Metern, was ein Volumen von ca. 25 Kubikmeter ergibt. An Kosten für das Anlegen des Teichs (inklusive Technik wie Filter usw.) muß mit ca. 700€ pro Kubikmeter gerechnet werden. Ein idealer Teich von 25 Kubimetern kostet dann also ca. 17.500€ (ohne Fische!). Man tehcnet für den ersten Koi 5000 Liter Wasser und dann für jeden weiteren ca. ca. 1000 Liter Wasser rechnen. Im optimalen Teich mit 25 Kubikmetern haben demnach kanpp 20 Koi Platz.
Sehr wichtig und kritisch in der Koi Haltung sind die verschiedenen Jahreszeiten. Im Winter werden die Koi nicht gefüttert, der Teich wird abgedeckt. Im Frühjahr und im Herbst benötigen die Koi anderes Futter als im Sommer. Wichtig sind v.a. Herbst und Frühjahr, da diese Jahreszeiten vor und nach dem kritischen Winter liegen, in dem die Koi ja keine Nahrung zu sich nehmen.

(c) 1999-2017 B. Slominski, Letzte Änderung: 5.12.2011