< zurück zur Übersicht
Vortrag zum Thema "Origami" von Susanna Wellenberg

1. Der Begriff Origami
2. Geschichte
3. Öffentlichkeit
4. Anwendungsgebiete

1. Der Begriff Origami
Es gibt verschiedene Theorien zu dem Begriff Origami. Es scheint aber so, als ob das Wort selbst erst relativ spät entstanden ist. Früher sprach man von „kirikata“, „kirigami“ oder „orikata“. Der Begriff Origami wird in Verbindung gebracht mit der Einführung der Kindergartenidee in Japan. Froebel machte das Papierfalten zu einem festen Bestandteil der Kindergartenarbeit und so soll Origami nichts anderes als die Übersetzung des deutschen Begriffs „Papierfalten“ sein. (Quelle Prof. Yoshihide und Sumiko Momotani)

2. Geschichte

Seit es Papier gibt, wird es gefaltet. So kam das Papierfalten um 583 durch chinesische Shaolin-München nach Japan. In der Muromachi-Periode (1333-1568) und später in der Edo-Zeit (1603-1868) erlebte es eine wahre Blüte. Da Papier damals noch sehr teuer war, wurde es allerdings hauptsächlich für zeremonielle Faltungen benutzt. (z.B. Noshi).

Parallel dazu entwickelte sich in Europa eine eigenständige Papierfaltkunst. Von Ägypten und Mesopotamien kommend breitete sie sich zuerst im 16. Jahrhundert in Spanien und dann im restlichen Europa aus. So gilt der Pajarita als DAS traditionelle Modell in Spanien, während der Kranich fest mit Japan verbunden zu sein scheint. Erst nach dem 2. Weltkrieg entwickelte (mein Lehrer und Freund) Akira Yoshizawa (1911-2005) gemeinsam mit Samuell Randlett ein System, um Faltanleitungen zu erstellen und so weiter zu geben. Er gilt bis heute als Begründer des modernen Origami.

1955 stellte Yoshizawa dann das erste Mal in Amsterdam aus. Noch heute ist Holland eine der „Hochburgen“ des Origami in Europa. In den 60er Jahre kam dann die Zeit der „Bug Wars“ – ein freundschaftlicher Wettstreit zwischen mehreren Faltern (z.B. Robert Lang) bei dem es darum ging, möglichst lebensechte Insekten zu falten – ohne schneiden, ohne kleben. Aber auch Legenden spielen eine Rolle: So heißt es, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man 1000 Kraniche faltet. Seit dem Tode von Sadako Sasaki, die mit dem Falten von Kranichen leider vergeblich versuchte, gegen ihre tödliche Leukämie-Erkrankung als Folge der Hiroshima-Bombe anzukämpfen, sind Origami- Kraniche auch zum Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstands gegen den Atomkrieg geworden.


3. Öffentlichkeit
Seit einigen Jahren findet Origami auch den Weg zu einer breiten Öffentlichkeit. So fanden seit Mitte der neunziger Jahre große Ausstellungen und Veranstaltungen statt, z.B.:
  • South East Origami Festival in Charlotte (NC mit zuletzt mehr als 20000 Besuchern)
  • Ausstellung im Carrousel du Louvre in Paris
  • Ausstellung im Internationalen Flughafen München mit Modellen von mehr als 200 Faltern weltweit
  • Masters of Origami im Hangar 7 in Salzburg
  • Dauerausstellung im Mingei Museum in San Diego
  • Dokumentarfilm „Between the Folds“ von Vanessa Gould

4. Anwendungsgebiete?

Heute findet man Origami auf vielen Gebieten wieder. Origami hat mittlerweile weltweit an Bedeutung gewonnen, es gibt unzählige Gruppen, die über Grenzen hinweg freundschaftliche Beziehungen pflegen und internationale Conventions veranstalten.

Aber auch in Wirtschaft und Wissenschaft findet Origami seinen Platz. So spielt Robert Lang auch heute noch eine bedeutende Rolle in der Origami-Welt. Der ehemalige NASA Ingenieur beschäftigt sich „hauptberuflich“ mit Origami. Er gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet von Airbag Folding und „Optigami“. In beiden Fällen geht es darum, eine Fläche bzw. einen Körper kleinstmöglich zusammenzufalten aber gleichzeitig sicher zu stellen, dass die Entfaltung besonders schnell (Airbag) oder faltenfrei (Teleskoplinsen) erfolgt. Außerdem beschäftigt er sich mit mathematischen Problemen, z.B. dem Huzita Axiom (Humiaki Huzita, 1924- 2005). Humi, wie er von seinen Origamifreunden liebevoll genannt wurde, war nicht nur ein weltweit anerkannter Mathematiker sondern eben auch ein wunderbarer Origamikünstler, großzügig bereit, sein Wissen mit anderen zu teilen. Heute zählen Namen wie Dr. Toshikazu Kawasaki (Kawasaki-Rose), Tom Hull und Eric Demaine zu den Kapazitäten im „mathematischen“ Origami. Kawasaki z.B. schrieb seine Doktorarbeit über dieses Thema.

Nicht zu vergessen Prof. Koryu Miura, japanischer Astrophysiker, der eine Methode entwickelte, die heute unter seinem Namen bekannt ist: die Miura ori oder Miura map. Eine Miura map kann zusammengefaltet werden auf die Größe ihres kleinsten Segmentes, mit EINER Bewegung kann man sie zusammen- und entfalten. Erst seit diese Technik Einzug dort fand, sind die entsprechenden Probleme zum Beispiel beim Weltraumteleskop Hubble beseitigt.

Aber nicht nur im All, auch in unserer täglichen Welt, können wir Origami „nützlich“ einsetzen. Viele Jahre lang habe ich immer wieder Geschenke in selbst gefaltete Schachteln verpackt. Die Modelle von Tomoko Fuse, einer studierten Agrarwissenschaftlerin, die seit Jahrzehnten in den Bergen von Nagano lebt, wurden dabei immer so geschätzt, dass ich sogar hörte: „Lass doch den Inhalt weg! Bring uns einfach ein neues Origami-Schachtel-Modell mit.“ Was für eine Entwicklung!! Saburo Kase wiederum, blinder Faltmeister, verbrachte einen Großteil seines Lebens damit, auf eigene Kosten Länder (49) und Regionen in aller Welt zu besuchen, in den es Menschen aus welchen Gründen auch immer nicht gut ging und es gelang ihm immer wieder, ihnen mit Origami Zuversicht und Freude zu vermitteln. Origami entwickelt so geradezu heilende Wirkung.

Es wird aber auch gezielt in Erziehung und Therapie eingesetzt. So fördert Origami nicht nur die Konzentration sondern auch die Kreativität. Es überwindet Grenzen und Begrenzungen. Kinder lieben es und Erwachsene staunen darüber, wie kreativ sie selbst sein können. Diese Erkenntnis kann zum Beispiel in Management-Kursen helfen, verkrustete Denkweisen aufzubrechen.

Menschen mit Einschränkungen erleben so in der Gruppe, dass sie mehr als einmal in der Lage sind, ihnen sonst „überlegen“ zu scheinenden Menschen etwas beizubringen oder ihnen zu helfen.

Es fördert die Kommunikation – kaum jemand kann der Versuchung widerstehen, zuzuschauen, wenn ein Origami entsteht und ist umso erfreuter, wenn es ihm entgegen der eigenen Einschätzung innerhalb weniger Minuten dann selbst gelingt, ein Origami-Modell entstehen zu lassen


Anhang
A.1 Bibliographie (eine kleine, ganz persönliche Auswahl)

Meine kleine Schwester Sadako
Masahiro Sasaki, Ingrid und Christian Mitterecker
ISBN 3852526434

Roses, Origami & Math
Toshikazu Kawasaki
ISBN 4889961844

Origami Tesselations: Awe-inspiring Geometric Designs
Eric Gjerde
ISBN 978-1568814513

Origami Design Secrets: Mathematical Methods for an Ancient Art
Robert Lang
ISBN 978-1568811949

Origami Omnibu: Paper Folding for Everybody
Kunihiko Kasahara
ISBN 978-4817090010

Origami Art: 15 Exquisite Folded Paper Designs from the Origamido Studio
Michael LaFosse, Richard Alexander
ISBN 978-4805309988

Delightful Table with Origami
Tomoko Fuse
ISBN 978-4-416-30706-9

Dokuhon Vol. 1
Akira Yoshizawa
ISBN 4-8216-0408-6

Clever Oriagmi for House and Play
Hisashi Abe
ISBN 978-4-916016-68-3

Origami form Angelfish to Zen
Peter Engel
ISBN 0-486-28138-8

Doctor’s Origami Dream Book
Toshikazu Kawasaki
ISBN 978-4-255-00378-8

Origami to Astonish and Amuse
Jeremy Shafer
ISBN 0-312-25404-0

Origami Dream World, Flowers and Animals
Toshikazu Kawasaki
ISBN 4-255-00238-X

A.2 Linksammlung

Geschichte


(c) 1999-2017 B. Slominski, Letzte Änderung: 1.9.2010